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Krankenkasse bezahlt Tinnitus-App
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Erstattung

Krankenkasse bezahlt Tinnitus-App

16.09.2015 - Es ist ein Meilenstein für das Hamburger Start-up Sonormed und den eHealth-Sektor insgesamt: Die Techniker Krankenkasse übernimmt für ihre Versicherten die Finanzierung von Sonormeds Tinnitus-Therapie „Tinnitracks“. Sie ist damit die erste therapeutische „App auf Rezept“ in Deutschland.

Auch für die Techniker Krankenkasse (TK), Deutschlands größter Krankenkasse, ist der Schritt eine Premiere: Zum ersten Mal übernimmt sie die Kosten für eine Therapie, für die weder der Gang ins Krankenhaus noch zur Apotheke nötig ist. Stattdessen, so Sonormed-Chef Jörg Land vorab gegenüber medtech-zwo, reiche „ein einfacher Klick im App-Store“ aus. Land betonte aber auch, dass der Patient zuvor die Art des Tinnitus bestimmen lassen muss. Deswegen haben Sonormed und die TK den Bundesverband der HNO-Ärzte mit ins Boot geholt. „Die anfallenden Kosten werden dabei explizit nicht auf das knapp bemessene Budget der Ärzte angerechnet“, erläutert Land. „Für uns ist das ein Ritterschlag, denn es beweist das Vertrauen der Techniker Krankenkasse in unsere Therapie.“ Die Bestimmung des Tinnitus-Typs ist wichtig, da Tinnitracks nur bei einem chronischen, tonalen und subjektiven Tinnitus funktioniert. 

Wie Sonormed-Chef Land auf dem am 16. September gestarteten Gesundheitswirtschaftskongress Hamburg berichtet, wird es die „App auf Rezept“ zunächst nur im Hamburger Raum geben. Sie erfolgt als extrabudgetäre Leistung der Krankenkasse und soll Stück für Stück allen 9,4 Millionen TK-Versicherten in ganz Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Die Idee hinter Tinnitracks: die Ohrgeräusche durch das Hören der eigenen Lieblingsmusik verringern. Dafür präpariert die App die persönliche MP3-Sammlung. Die jeweils individuell störenden Tinnitus-Geräusche werden dabei herausgefiltert. Bei täglich zwei Stunden Musikgenuss – beziehungsweise „Tailor-Made Notched Music Training“ – kann die Lautstärke des Tinnitus über sechs Monate um bis zu 30% verringert werden. Eine solche Wirkung der App wurde auch in klinischen Studien nachgewiesen.

Die TK ist damit ein Pionier unter den Krankenkassen. Gerade erst hatte sie für Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie ihren Versicherten einen Zuschuss zur Apple-Watch gewährtl. Therapeutische Apps wie Tinnitracks versteht sie als „neue Möglichkeiten zur Versorgung als Alternative zu konventionellen Therapien“. Gegenüber medtech-zwo erläutert Jörg Land das Prozedere für interessierte TK-Versicherte wie folgt: „Der Patient erhält nach erfolgter Diagnostik eine Aktivierungskarte für Tinnitracks. Mit dieser kann er die App kostenlos aus dem Store herunterladen. Momentan sind iOS- und Androidversionen verfügbar.“ Die TK übernimmt sowohl die Therapiekosten für zwölf Monate als auch die Diagnose- und Testkosten beim Arzt oder Hörgeräteakustiker. 

Für Sonormed ist es der vorläufige Höhepunkt in einem ereignisreichen Jahr. Im Frühjahr sicherte sich die Firma Platz 1 in der Kategorie „Digital Health“ beim hochgeachteten US-Tech-Festival SXSW. Außerdem konnte Sonormed in diesem Jahr eine Serie A-Finanzierung stemmen. Pünktlich zur Noah-Digitalkonferenz im Frühsommer gelang der bis dahin browserbasierten Anwendung der Sprung aufs Smartphone. Die bundesweite Erstattung in Abstimmung mit dem Bundesverband der HNO-Ärzte ist für das Start-up ein großer Schritt. Land: "Es waren lange Verhandlungen, aber für uns ist das ein Ritterschlag. Wir können zeigen, dass Gesundheits-Apps nicht nur Spielerei, sondern auch echte Therapie sein können."

© medtech-zwo.de/ml 

http://www.medtech-zwo.de/aktuelles/nachrichten/2015-03/krankenkasse-bezahlt-tinnitus-app.html

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