Wirtschaft

Digitale Helfer auf dem Vormarsch
Bild vergrößern

MEDICA 2015

Digitale Helfer auf dem Vormarsch

20.11.2015 - Mehr als 300 Aussteller, darunter IT-Konzerne, Softwareentwickler und Start-ups, haben sich zum Thema Digital Health auf der Medica positioniert. Der Trend: Digitale Helfer als Basis für Tests und Therapien etablieren.

Ob Blutdruck messen, EKG durchführen, Hörtest absolvieren oder Schlafaktivitäten überwachen – wofür bislang aufwendige Medizintechnik-Geräte und eine physische Präsenz im Krankenhaus oder beim Arzt notwendig waren, braucht es heutzutage nur ein Smartphone oder ein intelligentes, vernetztes Armband, das von zu Hause bedient werden kann.

Auf der diesjährigen Medica in Düsseldorf wurde klar: Die Digitalisierung in der Medizintechnik rückt stärker Richtung Diagnostik und Therapiebegleitung – und damit noch näher an den Patienten. Die größten Wachstumschancen sehen Experten im Homecare-Bereich. Aber auch für Ärzte und Kliniken erweitert sich das Portfolio IT-gestützter Helfer: nicht nur die großen IT-Konzerne wie Microsoft oder Chiphersteller Qualcomm entdecken das Gesundheitswesen als Abnehmer für intelligente Software oder Datenmanagementsysteme, auch viele kleine Start-ups setzen auf neue Ideen, um den klinischen Alltag zu vereinfachen. Insgesamt 300 Aussteller im Health-IT-Bereich zählte die Medica in diesem Jahr.

Echtzeit-Überwachung nach Stent-OP

Für Begeisterung beim eHealth Venture Summit – einem Programmpunkt im Rahmen des HealthIT-Forums –  sorgte unter anderem die französische Firma Instent aus Paris. Kardiologen haben hier einen IT-gestützten Sensor entwickelt, der – angebracht an einen Stent – eine Echtzeit-Überwachung des Heilungsprozesses bei Herzpatienten nach einer Stent-OP ermöglichen soll. „Wir werden unser System im nächsten Jahr im Tier testen und wollen Ende 2017 die ersten klinischen Versuche im Menschen absolvieren“, berichtete Firmenchef Franz Bozsak. Seine Firma setzte sich schließlich als Sieger beim „eHealth Venture Summit Innovation Award 2015“ durch, nach der Session war der Gründer umringt von potentiellen Investoren. Viele Experten halten den aktuellen Stent-Markt für gesättigt. Informationen zu Innovationen werden begierig aufgenommen. 

Großen Beifall erhielt zudem das Team des Berliner Start-ups Mimi: mir seiner Hörtest-App fürs Smartphone erobert es derzeit die sozialen Netzwerke. Dazu gibt es einen Player, der Umgebungsgeräusche und Musik zum „gesunden Klang” aufwertet. Gegründet wurde das Unternehmen von Nick Clark, gemeinsam mit Philipp Skribanowitz und Pascal Werner. Die Technologie basiert unter anderem auf Algorithmen, die Clark als Senior Research Officer an der University of Essex mitentwickelt hat. Mittlerweile arbeiten 16 Mitarbeiter für das Berliner Unternehmen. Das Start-up wird von Manfred Gross von der Berliner Charité beraten und vom Wagniskapitalgeber Christophe Maire finanziell unterstützt.

Langfristig will Mimi auch den Hörgerätemarkt aufmischen. „Sobald es smarte drahtlose Kopfhörer gibt, können wir hier Vollgas geben“, sagte Henrik Matthies in Düsseldorf und berichtet über entsprechende Gespräche mit Apple. Zielgruppe seien all jene Personen, die zwar unter Hörverlust leiden, aber aus Scham kein Hörgerät nutzen wollen – dies sei immerhin ein Viertel aller 650 Millionen Patienten weltweit, bei denen eine Hörschwäche diagnostiziert wurde.

Automatische Patientenoutcome-Analyse

Die Firma Heartbeat Medical mit Sitz in Köln und Berlin wiederum hat ein digitales System entwickelt, mit dem sich Daten zu medizinischen Eingriffen schnell verwalten und auswerten lassen. Dies wiederum kann sowohl vom Arzt in der Klinik als auch vom Patienten genutzt werden. Firmengründer Yannick Schreckenberger sieht sich hier insbesondere angesichts des wachsenden Qualitätsdrucks der Kliniken gut aufgestellt.

Auf der Medica waren zudem zahlreiche Firmen präsent, die sich direkt an Medizintechnik-Hersteller richten: etwa Livatek aus Dänemark oder die Infoteam Software AG aus Bubenreuth, die eine maßgeschneiderte Software- oder App-Entwicklung anbieten oder Experten für Datenmanagement- und speicherung wie die Fast LTA AG aus München. Nach einer Umstrukturierung zurück im Geschehen ist auch der bereits 2006 gegründete Telemedizin-Spezialist Bodytel aus Bad Wildungen: Seit 2014 ist die Firma durch den Münchener Frühphaseninvestor mic AG finanziert und gehört nun zur Life Spot Capital AG. Auf der Medica bewarb die Bodytel GmbH vor allem ihr Blutzuckermessgerät, das mit App und Onlinetagebuch kombiniert, eine automatische Überwachung von Diabetespatienten erlaubt. Gleichzeitig will die Firma künftig als Dienstleister für Medizintechnik- und Pharmafirmen auftreten, um weitere Patientenmonitoringsysteme zu etablieren – etwa im Rahmen von klinischen Studien oder zur Therapiebegleitung.

© medtech-zwo.de/sw

http://www.medtech-zwo.de/aktuelles/nachrichten/2015-04/digitale-helfer-auf-dem-vormarsch.html

Gesundheitswesen

20.07.2016 Das Klinikum Augsburg soll in zum Universitätsklinikum ausgebaut werden. 106 Millionen Euro fließen derzeit in einen Anbau zur Intensivmedizin.

Investition

19.07.2016 36 Mio. Euro investiert der 3M-Konzern in eine neue Produktionsanlage für Dialyse-Membranen am Standort Wuppertal.

Beteiligung

15.07.2016 Medtech meets Biotech: Der thüringische Bandagen-Hersteller Bauerfeind AG steigt beim Gewebezucht-Spezialisten Codon AG aus Teltow ein.

13.07.2016 Textilforscher der TU Dresden haben Krabbenschalen genutzt, um daraus ein Bio-Garn aus reinem Chitosan herzustellen. Die neue Faser eignet sich besonders für medizinische Anwendungen wie Implantate oder OP-Garne.

Biomaterialien

12.07.2016 Die auf Hochleistungsbiopolymere aus Seidenproteinen spezialisierte Amsilk GmbH will künftig auch in der Medizintechnik Fuß fassen. Dafür wurde nun zusätzliches Kapital eingeworben.

Veranstaltung

12.07.2016 Vom Knochenschweißen bis zum endoskopischen Blick ins Kniegelenk – 28 Unternehmen des Medizintechnikclusters Tuttlingen lieferten Anfang Juli Einblicke in ihre Produkte und Verfahren.

Wagniskapital

07.07.2016 Siemens gründet zum 1. Oktober 2016 eine eigenständige Einheit, um einen direkteren Zugang zu sogenannten disruptiven Ideen zu erhalten. Dem Corporate-Venture-Programm Next47 steht dafür in den kommenden fünf Jahren 1 Mrd. Euro Investitionsvolumen zur Verfügung – mehr als in den vergangenen 20 Jahren.

Förderung

04.07.2016 In Österreich werden Bund und die Länder Niederösterreich sowie Tirol das Medizintechnik-Forschungszentrum ACMIT fördern. Vom Gesamtbudget von 21,2 Mio. Euro übernehmen sie knapp 10 Mio. Euro.

Chirurgie

23.06.2016 Nach Ungereimtheiten bei klinischen Studien zahlte 2009 die damals noch unabhängige Synthes-Gruppe in den USA 23 Mio. US-Dollar Strafe. Nun steht in der Sache eine Zivilklage an. Auch der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss muss sich diesmal verantworten.

Förderung

23.06.2016 Gute Nachrichten aus Berlin: Ein von den Medical Mountains Tuttlingen angeschobenes Projekt zur digitalen Medizintechnik für chirurgische Instrumente wird vom Bundesforschungsministerium unterstützt.

Aktuelle News auf Laborwelt.de

Jetzt anmelden! – Machen Sie mit beim "Guide to German Medtech Companies"! Weiter lesen

Presseschau

Alle Funde

Alle Funde

Produkt-Highlight

Produkte